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Mineralstoff

Magnesium (Mg)

Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff mit zahlreichen Funktionen im menschlichen Körper. Es katalysiert rund 800 chemische Reaktionen im Körper als Co-Faktor und ist somit ein Schlüssel-Mineralstoff. Schätzungsweise 80 % aller Menschen in unseren Breitengraden weisen jedoch einen Mangel auf, mit entsprechenden Beschwerden. Bei rund 100 Erkrankungen spielt ein Magnesium-Mangel eine grössere Rolle.

Medizinisch geprüft Von Dr. med. Heinz Lüscher Veröffentlicht am 30. März 2021
Müeslischale mit Haferflocken, Mandeln und Haselnüssen — magnesiumreiche Nahrungsmittel
≈ 800 Reaktionen Magnesium als Co-Faktor im Körper

Auf einen Blick

Kategorie
Essenzieller Mineralstoff
Einsatzgebiete
Migräne Herz & Kreislauf Depressionen Osteoporose
Tagesdosis
6 mg pro kg Körpergewicht (Erwachsene) — rund 400–800 mg reines Magnesium pro Tag.
Formen
Rund 20 verschiedene Magnesium-Salze (z. B. Mg-Citrat). Ideal ist ein Präparat, das mehrere Salze kombiniert.
Wichtig zu wissen
Der Blutspiegel trügt: Bei normalem Mg-Blutwert kann in Zellen und Geweben trotzdem ein krasser Mangel bestehen.

Ein unterschätzter Mineralstoff

Bei Blutuntersuchungen in Arztpraxen und Spitälern werden praktisch immer die Mineralstoffe Kalzium, Kalium, Natrium und Chlorid gemessen, das noch viel wichtigere Magnesium hingegen praktisch nie. Die Schulmedizin hat die Wichtigkeit von Magnesium leider noch nicht erkannt.

Magnesium im Video

Erfahre mehr über Magnesium und die enthaltenen Vitalstoffe im Video mit Dr. med. Heinz Lüscher.

Wichtig zu wissen Der Körper hält den Mg-Spiegel im Blut immer konstant, weil Magnesium für die Herzfunktion (das Herz ist ein Muskel) unerlässlich ist. Um den Blutspiegel konstant zu halten, wird Magnesium bei Mangel aus Knochen und Muskeln abgezogen. Bei einem normalen Mg-Blutspiegel kann darum trotzdem ein krasser Mangel in den Zellen und Geweben vorliegen.

Wesentliche Aussagen dieses Artikels basieren auf den Veröffentlichungen der beiden Magnesium-Spezialisten Dr. Carolyn Dean und Dr. Mark Sircus (siehe Studien & Quellen).

Wichtige Funktionen im Körper

Magnesium erfüllt im Körper zahlreiche Aufgaben. Einige der wichtigsten:

  • Katalysiert rund 800 chemische Reaktionen im Körper als Co-Faktor
  • Produziert und transportiert Energie
  • Synthetisiert Proteine
  • Überträgt Nervensignale
  • Entspannt die Muskeln
  • Nimmt Einfluss auf das Immunsystem

Wo Magnesium vorkommt

Magnesium-Lieferanten sind unter anderem Getreideprodukte, Pseudogetreide, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse und Früchte. Auch in Milchprodukten, Fisch und Fleisch ist Magnesium enthalten. Leider ist der Gehalt heutzutage oft nicht mehr genügend.

Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse — natürliche Magnesium-Lieferanten
Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse zählen zu den besten natürlichen Magnesium-Quellen.

Magnesium und Calcium

Magnesium hat einen Antagonisten: das Calcium. Magnesium kontrolliert in der Zellmembran, wie viel Calcium in die Zelle gelangt. Es sorgt dafür, den Gehalt an Calcium in den Knochen und Zähnen zu erhöhen und den Calciumgehalt in den weichen Geweben (Muskel-, Leber-, Nervengewebe und andere) zu minimieren. Bei einem Magnesiummangel gelangt aber möglicherweise nicht genug Calcium in die Knochenzellen, was das Risiko erhöht, an einer Osteoporose zu erkranken. Gleichzeitig kann ein Mangel an Magnesium dazu führen, zu viel Calcium in den Zellen von Weichgeweben zu haben. Dies belastet diese Zellen und veranlasst sie, verschiedene entzündungsfördernde Substanzen freizusetzen.

Zuweilen ist zu lesen, Magnesium und Calcium dürften nicht gemeinsam eingenommen werden, weil sich die beiden Mineralstoffe bei der Aufnahme im Darm gegenseitig behindern würden. Richtig ist: Beide sind für den reibungslosen Ablauf bestimmter Vorgänge im Körper unverzichtbar. Auch wenn sie zum Teil gegensätzliche Aufgaben wahrnehmen (z. B. in den Muskelzellen), ist es wichtig, beide in ausreichender Menge und in einem Verhältnis von ca. 1:2 bis 2:1 aufzunehmen. Problematisch wird es, wenn man von einem Mineralstoff sehr viel und vom anderen nur sehr wenig einnimmt. Die meisten Menschen im Westen erhalten mit der Nahrung mehr als genug Calcium — eine Supplementierung ist damit nicht nötig. Es ist vielmehr das Magnesium, bei dem die Gefahr eines Mangels besteht.

Calcium ist wichtig für gesunde Knochen und Zähne. Wenn jedoch zu viel davon in der Blutbahn zirkuliert, kann es zu gefährlichen Ablagerungen in den Blutgefässen kommen (Arteriosklerose), was zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Deswegen muss zusätzlich auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin K2 geachtet werden. Dieses hat die Aufgabe, überschüssiges Calcium aus der Blutbahn zu entfernen und für dessen Einbau in die Knochen zu sorgen.

Wirkung bei Erkrankungen

Bei rund 100 Erkrankungen spielt ein Magnesium-Mangel eine Rolle. Einige besonders gut dokumentierte Beispiele:

Osteoporose

Magnesium spielt für die Knochengesundheit eine ebenso wichtige Rolle wie Calcium. Wer bei der Osteoporose das Magnesium ausser Acht lässt, wird diese Krankheit nie erfolgreich behandeln können. Osteoporose hat keine hormonelle Ursache, sondern ist eine Folge des Mangels an Magnesium, Vitamin D und Vitamin K2. In einer Studie an postmenopausalen Frauen konnte die Osteoporose durch die alleinige Gabe von Magnesium gestoppt werden.

Behandlungs-Beispiel bei Osteoporose (aus der Praxis) Magnesium 800–1000 mg pro Tag · Vitamin D3 4000 I.E. pro Tag · Vitamin K2 ca. 200 µg pro Tag. Zusätzliches Calcium ist nicht nötig. Die Behandlung dauert 1–2 Jahre und kann in jedem Alter durchgeführt werden. Mehr in den Therapie-Schemas

Migräne

Migräne kann mehrere Ursachen haben, die man meist nicht herausfindet — Magnesiummangel ist eine wichtige davon. Magnesium kann sowohl Spasmen von kleinen Blutgefässen im Gehirn vorbeugen als auch Verspannungen von Kopf- und Nackenmuskulatur lösen. Beides wirkt der Migräne entgegen. Bei einer Studie an 3000 Migränepatienten, die täglich 200 mg Magnesium verabreicht bekamen, konnten die Migränesymptome bei 80 % reduziert werden.

Person hält sich die Schläfe — Magnesiummangel als eine mögliche Ursache von Migräne

Depressionen

Für die Freisetzung des «Wohlfühl-Hormons» Serotonin braucht es Magnesium. Antidepressiva, sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), können zwar in manchen Fällen Depressionen erleichtern, aber längst nicht immer. Mit Magnesium kann auf natürliche Weise der Serotoninspiegel im Gehirn erhöht werden, ohne künstlich in die Hirn-Chemie einzugreifen.

Herz und Kreislauf

Der positive Einfluss von Magnesium auf das Herz ist bereits seit den 1930er-Jahren bekannt. Der Magnesium-Forscher Dr. Michael Shechter konnte den Nutzen von Magnesium bei Herzkrankheiten seit 2000 eindrücklich nachweisen. Die sogenannten LIMIT-Studien (Leicester Intravenous Magnesium Intervention Trial), veröffentlicht in der renommierten Zeitschrift «Lancet» 1992 und 1994, beschrieben eine massive Verbesserung der Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt durch frühzeitige Magnesiumgaben.

Cholesterin und Blutdruck

Essgewohnheiten, welche den Cholesterinspiegel erhöhen, gehen immer einher mit einem Magnesiummangel. Magnesium senkt den Cholesterinspiegel in gleicher Weise wie die Medikamenten-Klasse der Statine: Beide senken die Bildung der HMG-CoA-Reduktase, eines Enzyms, das für die Bildung von Cholesterin benötigt wird. Die Ärztinnen Dr. Andrea Rosanoff und Dr. Mildred Seelig berichten von 18 Humanstudien, in denen durch alleinige Behandlung mit Magnesium der Gesamt-Cholesterinspiegel um 6–23 % und der LDL-Spiegel um 10–18 % gesenkt sowie der HDL-Spiegel («gutes Cholesterin») um 4–11 % angehoben werden konnte.

Hoher Blutdruck (Hypertonie) hat oft damit zu tun, dass viele Menschen zu wenig trinken, was zu einer Dehydration führt. Werden dann gegen den hohen Blutdruck noch Diuretika verschrieben, verstärkt das nicht nur den Wassermangel, sondern schwemmt auch Magnesium und Kalium aus, was den Blutdruck weiter erhöht. Hypertonie sollte darum immer zuerst mit viel Trinken und Magnesium behandelt werden, bevor man weitere Medikamente einsetzt.

Einfluss auf das Immunsystem

Magnesium spielt auch im Immunsystem eine Rolle. Ein Mangel an Magnesium kann chronische Entzündungen fördern oder sogar verursachen. «Stille» Entzündungen werden oft lange nicht erkannt, da die Symptome eher diffus sind. Sie versetzen jedoch das Immunsystem dauerhaft in Alarmbereitschaft, strapazieren den gesamten Stoffwechsel und können zu chronisch entzündlichen Erkrankungen führen.

Eine Gruppe von Forschern aus Mexiko, Australien und dem Iran hat 11 randomisierte, kontrollierte Studien untersucht. Ihr Fokus lag auf der Einwirkung von Magnesium auf das CRP (C-reaktives Protein), einen Entzündungsmarker, der im Blut gemessen werden kann. Bei Studienteilnehmern mit erhöhtem CRP bewirkte die Magnesium-Supplementation eine signifikante Verringerung des CRP-Spiegels. Bei den Teilnehmern ohne Entzündungszeichen liess sich hingegen kein Effekt beobachten — Magnesium in physiologischen Dosen beeinflusst den Körper also nicht über ein gesundes Mass hinaus.

In früheren Studien verringerten Forscher bei Ratten den Magnesiumspiegel. Die Tiere entwickelten daraufhin klinische Entzündungszeichen. Sobald sie wieder ausreichende Mengen an Magnesium bekamen, nahmen die entzündlichen Prozesse schnell wieder ab.

Gerade weil viele Menschen einen Mangel an Magnesium haben, setze ich es in allen Fällen ein, in denen es wichtig ist, das Immunsystem zu unterstützen.

Bedarf und Dosierung

Wegen unserer ausgelaugten Böden ist der Magnesium-Gehalt in vielen Früchten und Gemüsen zu niedrig. Durch die Nahrung wird nur 70–80 % des Mg-Bedarfs gedeckt. Der minimale Bedarf beträgt (immer pro Kilogramm Körpergewicht und Tag):

Minimaler Magnesium-Bedarf pro Kilogramm Körpergewicht und Tag
Zielgruppe Dosis Anmerkung
Gesunde Erwachsene 6 mg / kg / Tag Ergibt rund 400–800 mg reines Magnesium pro Tag
Kinder 7–10 mg / kg / Tag Höherer Bedarf je Kilogramm als bei Erwachsenen
Sportler 7–10 mg / kg / Tag Höherer Bedarf je Kilogramm als bei Erwachsenen
Schwangere 10–15 mg / kg / Tag Höchster Bedarf je Kilogramm
Dosierung individuell Im Zweifel ärztlich abklären. Die Angaben beziehen sich immer auf reines, elementares Magnesium — nicht auf ein bestimmtes Magnesium-Salz.

Der Tagesbedarf für einen Erwachsenen beträgt somit 400–800 mg pro Tag. Bis ein Mangel in Knochen und Muskeln wieder aufgefüllt ist, braucht es mindestens 1 Jahr mit dieser Dosierung. Erste Effekte sind frühestens nach vier Wochen zu erwarten, weil sich der Körper erst wieder an das erhöhte Mg-Angebot gewöhnen und zuerst die nötigen Carrier-Moleküle bilden muss.

Magnesium ist nicht toxisch. Sollte jemand zu viel Magnesium zu sich nehmen, reagiert der Darm mit Durchfall und scheidet das überschüssige Magnesium aus.

Welches Präparat?

Es gibt im Handel ca. 20 verschiedene Mg-Salze mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften, vor allem bezüglich Bioverfügbarkeit (Aufnahme im Darm). Auch der Gehalt an reinem Magnesium ist in jedem Salz anders (zwischen 6 und 50 %). Die Angaben zum täglichen Bedarf beziehen sich deshalb immer auf das reine, elementare Magnesium und nicht auf ein bestimmtes Salz. Das am meisten verkaufte Mg-Salz ist Mg-Citrat, das ich aber nicht empfehle, weil es abführend wirkt und Eisen bindet. Ideal ist ein Präparat, das mehrere verschiedene Mg-Salze enthält.

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Passt gut zusammen

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Für gesunde Knochen wirken Magnesium, Vitamin D3 und Vitamin K2 zusammen — Vitamin K2 lenkt überschüssiges Calcium aus der Blutbahn in die Knochen.

Vorsicht bei

  • Mg-Citrat allein
  • Einseitig Calcium

Mg-Citrat wirkt abführend und bindet Eisen. Nimmt man von einem Mineralstoff sehr viel und vom anderen sehr wenig, droht eine Unterversorgung — im Zweifel ärztlich abklären.

Wirkt bei diesen Beschwerden

Auszug aus der Wirkstoff-Matrix (Stand Juni 2019). Die Bewertung reicht von + (unterstützend) bis ++++ (ausgezeichnet).

+unterstützend ++gute Wirkung +++sehr gute Wirkung ++++ausgezeichnete Wirkung

Studien & Quellen

  1. Magnesium bei Migräne
    PubMed 22426836
  2. Magnesium und Depression
    PubMed 23950577
  3. «Magnesium supplementation and osteoporosis»
    Sojka, J. E. & Weaver, C. M. · Nutrition Reviews, März 1995, 53(3), 71–74.
  4. «Oral magnesium therapy improves endothelial function in patients with coronary artery disease»
    Shechter, M. et al. · Circulation, 7. November 2000, 102(19), 2553–2558.
  5. «Comparison of mechanism and functional effects of magnesium and statin pharmaceuticals»
    Rosanoff, A. & Seelig, M. S. · Journal of the American College of Nutrition, 2004, 23(5), 501S–505S.
  6. «Magnesium. Das Wundermineral als Schlüssel für deine Gesundheit.»
    Dean, Carolyn (2016), Rottenburg.
  7. Gesammelte Artikel zu Magnesium
    Sircus, Mark (2018), drsircus.com.

Häufige Fragen

Muss ich die «6 mg pro Kilogramm» zusätzlich einnehmen?
Die 6 mg pro Kilogramm Körpergewicht sind der gesamte minimale Tagesbedarf, nicht die reine Zusatzmenge. Über die Nahrung werden heute nur noch 70–80 % davon gedeckt — die Differenz sollte ergänzt werden. Für Erwachsene ergibt das einen Tagesbedarf von rund 400–800 mg reinem Magnesium.
Welches Magnesium-Präparat ist empfehlenswert?
Es gibt rund 20 verschiedene Magnesium-Salze mit sehr unterschiedlicher Bioverfügbarkeit. Reines Mg-Citrat wird nicht empfohlen, weil es abführend wirkt und Eisen bindet. Ideal ist ein Präparat, das mehrere verschiedene Magnesium-Salze kombiniert. Alle Bedarfsangaben beziehen sich auf das reine, elementare Magnesium.
Kann man zu viel Magnesium einnehmen?
Magnesium ist nicht toxisch. Nimmt jemand zu viel davon zu sich, reagiert der Darm mit Durchfall und scheidet das überschüssige Magnesium aus. Bei Nieren­erkrankungen oder in Kombination mit Medikamenten sollte die Dosierung dennoch ärztlich abgeklärt werden.
Porträt von Dr. med. Heinz Lüscher
Medizinisch geprüft

Dr. med. Heinz Lüscher

Als Schulmediziner stand ich der Komplementärmedizin zunächst skeptisch gegenüber — bis mich 2007 die Heilwirkungen des Traubenkernextraktes überzeugten. Seither vertiefe ich mich täglich in die Vitalstoffmedizin, ohne die Schulmedizin aus den Augen zu verlieren. Mehr zum Autor