Ein unterschätzter Mineralstoff
Bei Blutuntersuchungen in Arztpraxen und Spitälern werden praktisch immer die Mineralstoffe Kalzium, Kalium, Natrium und Chlorid gemessen, das noch viel wichtigere Magnesium hingegen praktisch nie. Die Schulmedizin hat die Wichtigkeit von Magnesium leider noch nicht erkannt.
Magnesium im Video
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Wesentliche Aussagen dieses Artikels basieren auf den Veröffentlichungen der beiden Magnesium-Spezialisten Dr. Carolyn Dean und Dr. Mark Sircus (siehe Studien & Quellen).
Wichtige Funktionen im Körper
Magnesium erfüllt im Körper zahlreiche Aufgaben. Einige der wichtigsten:
- Katalysiert rund 800 chemische Reaktionen im Körper als Co-Faktor
- Produziert und transportiert Energie
- Synthetisiert Proteine
- Überträgt Nervensignale
- Entspannt die Muskeln
- Nimmt Einfluss auf das Immunsystem
Wo Magnesium vorkommt
Magnesium-Lieferanten sind unter anderem Getreideprodukte, Pseudogetreide, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse und Früchte. Auch in Milchprodukten, Fisch und Fleisch ist Magnesium enthalten. Leider ist der Gehalt heutzutage oft nicht mehr genügend.
Magnesium und Calcium
Magnesium hat einen Antagonisten: das Calcium. Magnesium kontrolliert in der Zellmembran, wie viel Calcium in die Zelle gelangt. Es sorgt dafür, den Gehalt an Calcium in den Knochen und Zähnen zu erhöhen und den Calciumgehalt in den weichen Geweben (Muskel-, Leber-, Nervengewebe und andere) zu minimieren. Bei einem Magnesiummangel gelangt aber möglicherweise nicht genug Calcium in die Knochenzellen, was das Risiko erhöht, an einer Osteoporose zu erkranken. Gleichzeitig kann ein Mangel an Magnesium dazu führen, zu viel Calcium in den Zellen von Weichgeweben zu haben. Dies belastet diese Zellen und veranlasst sie, verschiedene entzündungsfördernde Substanzen freizusetzen.
Zuweilen ist zu lesen, Magnesium und Calcium dürften nicht gemeinsam eingenommen werden, weil sich die beiden Mineralstoffe bei der Aufnahme im Darm gegenseitig behindern würden. Richtig ist: Beide sind für den reibungslosen Ablauf bestimmter Vorgänge im Körper unverzichtbar. Auch wenn sie zum Teil gegensätzliche Aufgaben wahrnehmen (z. B. in den Muskelzellen), ist es wichtig, beide in ausreichender Menge und in einem Verhältnis von ca. 1:2 bis 2:1 aufzunehmen. Problematisch wird es, wenn man von einem Mineralstoff sehr viel und vom anderen nur sehr wenig einnimmt. Die meisten Menschen im Westen erhalten mit der Nahrung mehr als genug Calcium — eine Supplementierung ist damit nicht nötig. Es ist vielmehr das Magnesium, bei dem die Gefahr eines Mangels besteht.
Calcium ist wichtig für gesunde Knochen und Zähne. Wenn jedoch zu viel davon in der Blutbahn zirkuliert, kann es zu gefährlichen Ablagerungen in den Blutgefässen kommen (Arteriosklerose), was zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Deswegen muss zusätzlich auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin K2 geachtet werden. Dieses hat die Aufgabe, überschüssiges Calcium aus der Blutbahn zu entfernen und für dessen Einbau in die Knochen zu sorgen.
Wirkung bei Erkrankungen
Bei rund 100 Erkrankungen spielt ein Magnesium-Mangel eine Rolle. Einige besonders gut dokumentierte Beispiele:
Osteoporose
Magnesium spielt für die Knochengesundheit eine ebenso wichtige Rolle wie Calcium. Wer bei der Osteoporose das Magnesium ausser Acht lässt, wird diese Krankheit nie erfolgreich behandeln können. Osteoporose hat keine hormonelle Ursache, sondern ist eine Folge des Mangels an Magnesium, Vitamin D und Vitamin K2. In einer Studie an postmenopausalen Frauen konnte die Osteoporose durch die alleinige Gabe von Magnesium gestoppt werden.
Migräne
Migräne kann mehrere Ursachen haben, die man meist nicht herausfindet — Magnesiummangel ist eine wichtige davon. Magnesium kann sowohl Spasmen von kleinen Blutgefässen im Gehirn vorbeugen als auch Verspannungen von Kopf- und Nackenmuskulatur lösen. Beides wirkt der Migräne entgegen. Bei einer Studie an 3000 Migränepatienten, die täglich 200 mg Magnesium verabreicht bekamen, konnten die Migränesymptome bei 80 % reduziert werden.
Depressionen
Für die Freisetzung des «Wohlfühl-Hormons» Serotonin braucht es Magnesium. Antidepressiva, sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), können zwar in manchen Fällen Depressionen erleichtern, aber längst nicht immer. Mit Magnesium kann auf natürliche Weise der Serotoninspiegel im Gehirn erhöht werden, ohne künstlich in die Hirn-Chemie einzugreifen.
Herz und Kreislauf
Der positive Einfluss von Magnesium auf das Herz ist bereits seit den 1930er-Jahren bekannt. Der Magnesium-Forscher Dr. Michael Shechter konnte den Nutzen von Magnesium bei Herzkrankheiten seit 2000 eindrücklich nachweisen. Die sogenannten LIMIT-Studien (Leicester Intravenous Magnesium Intervention Trial), veröffentlicht in der renommierten Zeitschrift «Lancet» 1992 und 1994, beschrieben eine massive Verbesserung der Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt durch frühzeitige Magnesiumgaben.
Cholesterin und Blutdruck
Essgewohnheiten, welche den Cholesterinspiegel erhöhen, gehen immer einher mit einem Magnesiummangel. Magnesium senkt den Cholesterinspiegel in gleicher Weise wie die Medikamenten-Klasse der Statine: Beide senken die Bildung der HMG-CoA-Reduktase, eines Enzyms, das für die Bildung von Cholesterin benötigt wird. Die Ärztinnen Dr. Andrea Rosanoff und Dr. Mildred Seelig berichten von 18 Humanstudien, in denen durch alleinige Behandlung mit Magnesium der Gesamt-Cholesterinspiegel um 6–23 % und der LDL-Spiegel um 10–18 % gesenkt sowie der HDL-Spiegel («gutes Cholesterin») um 4–11 % angehoben werden konnte.
Hoher Blutdruck (Hypertonie) hat oft damit zu tun, dass viele Menschen zu wenig trinken, was zu einer Dehydration führt. Werden dann gegen den hohen Blutdruck noch Diuretika verschrieben, verstärkt das nicht nur den Wassermangel, sondern schwemmt auch Magnesium und Kalium aus, was den Blutdruck weiter erhöht. Hypertonie sollte darum immer zuerst mit viel Trinken und Magnesium behandelt werden, bevor man weitere Medikamente einsetzt.
Einfluss auf das Immunsystem
Magnesium spielt auch im Immunsystem eine Rolle. Ein Mangel an Magnesium kann chronische Entzündungen fördern oder sogar verursachen. «Stille» Entzündungen werden oft lange nicht erkannt, da die Symptome eher diffus sind. Sie versetzen jedoch das Immunsystem dauerhaft in Alarmbereitschaft, strapazieren den gesamten Stoffwechsel und können zu chronisch entzündlichen Erkrankungen führen.
Eine Gruppe von Forschern aus Mexiko, Australien und dem Iran hat 11 randomisierte, kontrollierte Studien untersucht. Ihr Fokus lag auf der Einwirkung von Magnesium auf das CRP (C-reaktives Protein), einen Entzündungsmarker, der im Blut gemessen werden kann. Bei Studienteilnehmern mit erhöhtem CRP bewirkte die Magnesium-Supplementation eine signifikante Verringerung des CRP-Spiegels. Bei den Teilnehmern ohne Entzündungszeichen liess sich hingegen kein Effekt beobachten — Magnesium in physiologischen Dosen beeinflusst den Körper also nicht über ein gesundes Mass hinaus.
In früheren Studien verringerten Forscher bei Ratten den Magnesiumspiegel. Die Tiere entwickelten daraufhin klinische Entzündungszeichen. Sobald sie wieder ausreichende Mengen an Magnesium bekamen, nahmen die entzündlichen Prozesse schnell wieder ab.
Gerade weil viele Menschen einen Mangel an Magnesium haben, setze ich es in allen Fällen ein, in denen es wichtig ist, das Immunsystem zu unterstützen.
Bedarf und Dosierung
Wegen unserer ausgelaugten Böden ist der Magnesium-Gehalt in vielen Früchten und Gemüsen zu niedrig. Durch die Nahrung wird nur 70–80 % des Mg-Bedarfs gedeckt. Der minimale Bedarf beträgt (immer pro Kilogramm Körpergewicht und Tag):

